Litigation und Action der SLU
An dieser Stelle halten wir Sie über die aktuellen Ereignisse aus unserer Arbeit durch unseren Blog auf dem Laufenden:
Interview in der NJW: Rechtskenntnisse sozial einsetzen
Prof. Dr. Alexander Graser und Dr. Christoph Lindner wurden bei der NJW interviewt. Sie zeigen insbesondere auf, welche Rolle soziale Projekte im universitären Kontext spielen können.
Rechtsgutachten zum brasilianischen Umwelthaftungsrecht von Prof. Dr. Ingo Sarlet
In unserem Verfahren der Opfer und Angehörigen des Staumdammbruchs [...]
Der Brumadinho Fall
Am 25. Januar 2019 brach auf dem Gebiet der Gemeinde Brumadinho im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais der Damm des Rückhaltebecken für Abraum und Schlamm der Eisenerzmine „Córrego do Feijão“, die vom Bergbaukonzern Vale S.A. betrieben wurde. Durch den Bruch bzw. die „Verflüssigung“ des Damms stürzten rund zwölf Millionen Kubikmeter Schlamm, der zahllose toxische Substanzen enthielt, ins Tal und richtete dort eine unvergleichliche Spur der Verwüstung an. Auf dem Weg dorthin begrub dieser neben anderen Gebäuden und einer ganzen Gemeinde u. a. die Kantine, in der ein Großteil der Arbeitnehmenden – ahnungslos in Anbetracht der nahenden Katastrophe – gerade Pause machten. Insgesamt kamen durch den Dammbruch 240 Arbeitnehmende und 32 weitere Personen ums Leben. Der Dammbruch zeitigte außerdem gravierende ökologische Folgen und verseuchte mit großen Teilen des Flusses Paraopeba zeitgleich das Trinkwasser vieler Menschen vor Ort.
Offiziell galt der Damm als „stabil“. So wurde die Sicherheit und Standfestigkeit des Dammes zuletzt erst im September 2018 von einem hundertprozentigen Tochterunternehmen des TÜV-Süd zertifiziert. Dass der Damm den notwendigen Stabilitätsfaktor tatsächlich nicht erfüllte, war den Mitarbeitenden des beauftragten Zertifizierungsunternehmens jedoch bekannt. Unter Mitwirkung einer Verbindungsperson der Konzernzentrale des TÜV Süd in München kam es dennoch zu einer Ausstellung des notwendigen Zertifikats. Dies hatte zur Folge, dass der sich später in dem Dammbruch realisierenden Gefahr in keinster Weise (durch Nachbesserung oder Evakuierung) vorgebeugt werden konnte. Die zu Unrecht erfolgte Zertifizierung war deshalb kausal für einen der tödlichsten Industrieunfälle des 21. Jahrhunderts.

